Es war schon sehr überraschend, was wir sahen als wir aus dem Fenster des Busses schauten, der sich durch die engen Straßen des kleinen französischen Ortes Baupaume schlängelte. Die Häuser waren sehr klein und es sah alles etwas alt aus, ziemlich anders als bei uns – das Nord-Pas-De Calais. Als wir am Collège Carlin Legrand mit Willkommensschildern begrüßt wurden, war es so weit: Unsere Zeit in Frankreich begann. Wir kannten unsere Austauschpartner, also war es nicht schwer diese zu finden. Sie halfen uns bei den Koffern und wir betraten in die Schule, denn die Franzosen hatten den halben Schultag noch vor sich und wir folgten ihnen in die Kantine. Schnell fiel uns auf, dass diese Schule sehr gut abgesichert war. Um ins Collège zu kommen musste man einen Sicherheitspin eingeben und der Schulhof war umzäunt und von Kameras überwacht. Aber das schien nicht untypisch zu sein.

baupane 2013Die Franzosen essen ausgiebig, auch in der Schule und für uns, die „Fremden“, war schon extra alles vorbereitet. was wir allerdings erst später merkten, da uns alle ziemlich neugierig anschauten. Ein anderes Land, andere Sprache, auch ein anderer Klang an der Theke – die Auswahl an verschiedenen Vor und Nachspeisen war schon sehr überraschend groß und erweckte unsere Blicke und Neugier.

Nach dem Essen ging es in den Stadtkern. Wie wir schon alle bei der Ankunft bemerkt hatten, war alles sehr klein und für uns neu. Im Rathaus wurden wir offiziell begrüßt, tranken Saft und aßen Plätzchen.

Nach einer kleinen Besichtigung der Schule, kamen dann schließlich die Eltern und wir setzten uns gemeinsam in die Kantine, in der uns eine kleine Präsentation mit Musik und Bildern des Besuchs der französischen Schüler in Deutschland erwartete. Ein schöner Abend… Es war allerdings schon dunkel, als wir die Koffer in die Autos luden und jeder seinen Weg ins Unbekannte ging.

Die meisten Orte in denen unsere Austauschpartner lebten, waren etwas entfernt und es dauerte eine Weile bis man dort war. Riesige Felder und zwischendurch Bäume und kleine Wälder. In den Familien machte jeder seine eigenen Erfahrungen. Man war auf sich allein gestellt und musste schauen wie man sich verständigte – alle waren aber sehr bemüht, dass wir uns wohlfühlten.

bapaume1Am nächsten Tag, als sich alle wiedersahen, gab es viel zu erzählen und zum Teil auch müde Gesichter, denn die erst Nacht in einer fremden Familie ist schon eine neue Erfahrung. Die Fahrt ging ans Meer, nach Calais, wo der dichte Nebel uns allerdings die Sicht zum Wasser komplett versperrte und wir über Hügel und Wege liefen, neben weißen Wänden von undurchsichtbaren Nebelfeldern. Später gingen wir in ein großes Aquarium, um uns dort Meerestiere anzuschauen. Den Sonntag verbrachten wir in den Familien.

Am Montag waren wir dann alle mit im Unterricht und konnten diesen auch teilweise durch einige Sätze auf Deutsch bereichern. Nachmittags ging es nach Arras und in ein Kutschen Museum. Nur machte uns das Wetter leider einen Strich durch die Rechnung, so dass wir nach dem Museum keine Lust hatten, uns die Stadt weiter anzuschauen.

Das Wetter – es hatte sich angekündigt. Allerdings hatte damit wohl keiner gerechnet. Schnee und zwar richtig viel. So viel, dass nichts mehr ging. Eingeschneit. Keine Schule, kein Programm. Die Straßen waren kaum zu befahren, da in den kleinen Orten keine Schneeräummaschinen den Weg freimachten. Mit Spielen oder anderen Aktivitäten verbrachten wir den Tag und es blieb alles weiß, schneite immer weiter. Selbst sie Franzosen waren erstaunt. Allerdings hieß das auch, dass keine Ausflüge stattfinden konnten.

Der nächste Tag war nicht viel anders. Man konnte zwar schon teilweise mit dem Auto fahren, es war aber zu gefährlich zur Schule zu kommen, also blieben wir Zuhause. Übers Telefon bekamen wir Informationen, wie es weitergehen würde. Einige Schüler waren so eingeschneit, dass sie das Dorf nicht verlassen konnten. Meine Austauschschülerin und ich packten uns schließlich warm ein und marschierten los. Ihre Freundinnen lebten im gleichen Ort und wir gingen sie besuchen, wie schon am Vortag. Da dort auch zwei deutsche Austauschschülerinnen waren, konnten wir uns etwas erzählen.

Auch am Donnerstag fuhren die Busse noch nicht. Wir fuhren also mit dem Auto zur Schule und trafen uns dort mit allen Austauschteilnehmern. Zwar konnten nicht alle kommen, weil sie immer noch eingeschneit waren, aber wir nutzten die gemeinsame Zeit, machten gemeinsam Sport in der Sporthalle der Schule und kletterten an der Kletterwand dort. Schließlich kam der Vorschlag, den letzten Nachmittag bowlen zu gehen. Vorschlag angenommen!

Da sich das Wetter nun langsam beruhigte, war eine Verlängerung unseres Besuchs in Bapaume schon wieder vergessen und es stand fest, dass wir am Freitag das weiße Baupaume verlassen würden. Der letzte Abend in den Familien war also gekommen und die Zeit in Frankreich damit schon fast vorbei. Am Morgen stiegen wir in den Bus. Küsschen rechts, Küsschen links, hier und da ein Tränchen und zurück nach Hause. Abschied aus dem verschneiten Bapaume.

Rückblickend war es eine außergewöhnliche Zeit mit vielen Erfahrungen und lustigen Erlebnissen. Der Schnee durchkreuzte zwar unsere Pläne und drehte fast alles um, aber richtig eingeschneit zu sein, ist auch lustig und wirklich spannend, etwas, dass man nicht täglich erlebt, und nicht mehr vergisst.

Ein Einblick in eine andere Welt, mit anderer Sprache und anderen Sitten ist ein Abenteuer, dass man immer im Kopf behält, genau wie wir, die Frankreich hautnah erleben konnten.

Nun hieß es: Exkursion nach Paris im Sommer, denn die wegen des Schnees ausgefallene Fahrt wurde so am 5. Juni 2013 nachgeholt.

Wieder war es sehr früh am Morgen, als wir aufbrachen. Um ca. 9:00 kamen wir in der französischen Hauptstadt an. Gespannt und etwas müde verließen wir den Bus und begaben uns auf die Straßen der Weltstadt. Aber nicht ohne Franzosen. Wir trafen die alten Bekannten – unsere Austauschpartner. Wir besuchten die riesige Basilique Sacré-Coeur und fotografierten Paris von oben, denn die Aussicht war klasse. Auf ein Mal kam die Sonne durch und es wurde warm, richtig warm.

Wir liefen über den Markt von Montmartre, ein berühmtes Malerviertel, mit tollen Künstlern und schlängelten uns noch weiter durch einige Nebenstraßen. Dann fuhren wir mit dem Bus und es dauerte nicht allzu lange, als wir das wohl berühmteste Bauwerk von Paris zu sehen bekamen. Den Eiffelturm. Vom weiten schien er relativ klein, doch als wir kurz vor dem Tour Eiffel aus dem Bus stiegen, war er riesig. Ihn zu sehen und unter ihm herzulaufen war wohl einer der Höhepunkte unseres Ausfluges.

Aber wir blieben nicht sehr lange, denn es ging weiter. Eine Schiffsrundfahrt auf der Seine mit dem Bateau Mouche. Die größten und ältesten Bauwerke und viel Sonne erwarteten uns. Hintereinander folgten prachtvolle Gebäude und Gassen, die wir vom Schiff aus begutachten konnten. Auch der Eiffelturm war vom Wasser aus zu sehen. Dann gingen wir spazieren. Zum Louvre Palast und entlang der Einkaufsstraßen, neben Parks und vielen Menschen. Allerdings war das Überqueren von Straßen nicht ganz uninteressant, da die Autofahrer sich recht wenig um uns Fußgänger kümmerten. Das in Paris anders Auto gefahren wird, war uns danach wirklich bewusst. Wir liefen durch einen großen Park in Richtung Place de la Concorde und sehnten uns nach Wasser, denn es war sehr heiß. Das konnte man auch sehen, als wir uns schließlich von den Franzosen verabschiedeten. Sonnenbrände und zwar nicht wenige. Dies beeinträchtigte allerdings nicht unsere Begeisterung. Mit roten Gesichtern sagten wir schließlich „salut“ zu den Franzosen.

Am Ende des Tages schlenderten wir noch ein wenig die Champs-Élysées entlang. Es war spät und wir waren sehr geschafft, als wir in den Bus nach Hause stiegen und Paris verließen. Eine lange Fahrt lag vor- und ein aufregender Tag mit vielen schönen Eindrücken hinter uns.

(Luisa)