Die wunderschöne, 1,5 Millionen Einwohner zählende Stadt Kyoto war für 17 Tage Aufenthaltsort und Erlebnisstadt für 15 Schülerinnen und Schüler des Japanisch Kurses unseres GFB, mit ihren Lehrerinnen Frau Knapp-Hartmann und Frau Kroniger. Die angesehene Yamashiro Highschool, unsere japanische Partnerschule, begrüsste herzlich mit Chor und dem Orchester. Die Schülerinnen und Schüler erhielten die Möglichkeit Japans Kultur, Sprache und Pulsschlag nicht nur als Tourist zu beobachten, sondern es war ihnen möglich, wirklich am Leben teilzuhaben. Gemeinsam wurde zum Thema „Umwelt“ gearbeitet, wobei dieses große Themenfeld auf die Umwelterziehung eingeschränkt wurde. Im Zentrum stand die Beschäftigung mit Kunststoffen und daraus resultierend die Vor- und Nachteile von diesen Stoffen.

Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass nicht das chemisch fachliche Wissen und dessen Erweiterung und Vertiefung von großer Bedeutung war, da zum einen der Lernstand der japanischen Schülerinnen und Schüler1 nicht bekannt war. Zum anderen wählten nicht alle der deutschen Lernenden das Fach Chemie in der Oberstufe weiter, sodass hier nur von einem rudimentären chemischen Wissen auszugehen ist. Aus diesen Gründen wurde auf eine fachliche Vertiefung dieses Themas, wie bspw. der Erarbeitung von Reaktionsmechanismen, dem Aufbau oder den Verfahren zur Herstellung von Kunststoffen verzichtet, obwohl das Thema „Kunststoffe“ selbst ein umfangreiches Themenfeld aufweist. Wichtig war bei diesem Projekt der Austausch unter den SuS, das gemeinsame Experimentieren und die gemeinsame Erarbeitung der Ergebnisse, die abschließend präsentiert wurden.

Das Austauschprojekt umfasste insgesamt vier Schulstunden, in denen sich die SuS praktisch sowie theoretisch in Vierergruppen2 mit dem Thema „Kunststoffe“ auseinandersetzten. Die Frage, die hierbei im Zentrum stand, war, ob Kunststoffe ein Fluch oder Segen sind.

In der ersten Stunde „Analyse verschiedener Kunststoffe“ untersuchten die Lernenden verschiedene Kunststoffproben in vier Experimenten auf ihr Schwimmverhalten, ihre Löslichkeit, ihre Elastizität und Härte sowie ihre Entflammbarkeit. Die einzelnen Experimente wurden als Lernen an Stationen angeboten, wobei jedes Experiment in zweifacher Ausführung zur Verfügung gestellt wurde. So konnten die SuS eigenständig arbeiten und sich ihre Zeit selbstständig einteilen. Gesichert wurden die Ergebnisse in einer Tabelle, die auch vorne am Pult unter einer Dokumentenkamera lagen, sodass die SuS ihre Ergebnisse dort eintragen und vergleichen konnten.

In der zweiten Stunde „Synthese von Kunststoffen“ stellten die Lernenden zum einen einen Kunststoff her, der schleimartig ist und auf PVA basiert. Zum anderen wurde eine Folie aus Stärke synthetisiert. Durch das zweite Experiment des Tages sollte den SuS eine Alternative für die dünnen Plastikfolien, die in Deutschland langsam abgeschafft werden, aufgezeigt werden, da diese Folie aus Stärke biologisch abbaubar ist. Auch diese Experimente wurden als Stationen so aufgebaut, dass die Lernenden eigenständig die beiden Versuche durchführen konnten.

Die dritte Stunde „Kunststoffe – Fluch oder Segen?“ befasste sich mit der Theorie der Kunststoffe, in der zum einen anhand eines Textes die Vorteile und zum Teil die geschichtliche Entwicklung der Kunststoffe aufgezeigt wurden. Zum anderen wurden die Nachteile in Bezug auf die Umweltverschmutzung in einer Präsentation dargestellt. Die SuS setzten sich mit den Inhalten wieder in der Gruppe auseinander und stellten die Vor- und Nachteile gegenüber. In einem weiteren Schritt überlegten sich die Lernenden, welche Möglichkeiten es gibt, Kunststoffe einzusparen, und welche Alternativen es zu Kunststoffen gibt.

Die Ergebnisse wurden in der vierten Stunde „Präsentation“ vorgestellt und diskutiert. Hierbei präsentierte eine Gruppe ihre Resultate mit der Dokumentenkamera, wobei die anderen Gruppen diese ergänzten. Die Ergebnisse aus der ersten Stunde „Analyse verschiedener Kunststoffe“ nutzen die SuS insofern, dass sie erkennen konnten, dass Kunststoffe sich schwer zersetzen lassen. Weiterhin konnten die Lernenden durch das Schwimmverhalten erkennen, dass Kunststoffe im Meer nicht nur an der Oberfläche, sondern auch auf dem Grund oder in der Schwebe zu finden sind. Durch die Experimente aus der zweiten Stunde „Synthese von Kunststoffen“ wurde ihnen eine Alternative zu Kunststofftüten aufgezeigt.

Durch dieses Projekt entdeckten die Lernenden die Vor- und Nachteile von Kunststoffen, sodass sie für das Thema Kunststoffe und Umweltproblematik sensibilisiert wurden. Sie erkannten, dass diese Stoffe, die in allen möglichen Bereichen unseres Alltags zu finden sind, nicht mehr wegzudenken sind, wir sind auf sie angewiesen. Allerdings stellten die SuS auch fest, dass man an manchen Stellen, wenn man sich bewusst mit dem Thema auseinandersetzt, Kunststoffe einsparen oder Alternativen verwenden kann. Die Frage „Kunststoffe – Fluch oder Segen?“ wurde dahingehend beantwortet, dass es auf der einen Seite ein Segen ist, da diese Stoffe aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind und wir auch auf sie angewiesen sind. Auf der anderen Seite sind sie jedoch ein Fluch, wenn man das Müllaufkommen und die Verschmutzung durch Kunststoffe berücksichtigt. Ein bewusster Umgang mit ihnen ist daher vonnöten.

Insgesamt war die Durchführung des Austauschprojektes trotz sprachlicher Barrieren sehr erfolgreich. Rückblickend ist die Wahl des Themas sehr passend, da beide Länder als Industrieländer ein großes Abfallaufkommen haben. Aber in der subjektiven Wahrnehmung ist das ökologische Bewusstsein in Deutschland ausgeprägter, da man bspw. hierzulande den Müll trennt und Recycleware oder Alternativen bewusster verwendet. In Japan ist uns vor allem der hohe Verbrauch von Plastiktüten und Verpackungsmaterialien aufgefallen, der in Deutschland langsam rückläufig ist.

Ein ganz besonderer Dank gilt der Firma Olympus, die durch ihre großzügige, finanzielle Unterstützung diese Erfahrungen erst ermöglicht haben.

Rebecca Kroniger