Kunst-Professor aus Japan besucht das Gymnasium in den Filder Benden

Mit einem fröhlichen „konnichiwa“ begrüßen wir Herrn Kiyonaga, einen Professor für Kunst aus Japan. Er ist an seiner Universität in Yamaguchi unter anderem zuständig für die Lehrerausbildung und er selber forscht zu aktuellen Tendenzen in der Kunstdidaktik. Da er selber in Deutschland promoviert und gearbeitet hat und schon viele Städte in Deutschland besucht hat, finden die meisten Gespräche aber auf Deutsch statt – Glück gehabt. Tatsächlich reist Herr Kiyonaga im Rahmen seiner Forschungsprojekte jährlich nach Deutschland und besucht Kunstdidaktiker und nach Möglichkeit auch Kunstpädagogen an den Schulen. Schließlich sei es ein enormer Unterschied, ob man nur die aktuelle Fachdiskussion durch die Lektüre verfolgt oder tatsächlich auch die Umsetzungsmöglichkeiten an der Schule mitbekommen kann, so Herr Kiyonaga, denn letztlich wird im Schulalltag erst klar, welche Lehrkonzepte auch tatsächlich umsetzbar sind. Doch auch allgemeine Fragen zum Schulsystem sind von Interesse:

„Wie läuft das Bildungssystem seit dem Pisa-Schock weiter? Welche Veränderungen bringt der kompetenzorientierte Lehrplan mit sich? Hat diese Herangehensweise Vorteile für die Schülerinnen und Schüler?“

Eine Veränderung sei, so Frau Knapp-Hartmann in unserem Gespräch, ein schülerorientierter Ansatz, es geht immer auch darum herauszufinden, was die Schülerinnen und Schüler interessiert und motiviert. Erst dann wird das Lernen zur Freude und nur so funktioniert Lernen letztlich auch.

Und tatsächlich: Was bringt den Schülerinnen und Schülern ein Unterricht, der keinerlei Anknüpfungspunkte zur eigenen Lebenswirklichkeit und zur eigenen Person lässt?

Wie sich dieser Ansatz in der Schule darstellen kann, erlebt Herr Kiyonaga direkt im Japanisch-Unterricht bei Frau Knapp-Hartmann: hier wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, Japanisch zu sprechen und im Alltag –  etwa während eines Austausches oder einer Reise nach Japan – auch anwenden zu können.

Aufgrund des erwähnten Forschungsinteresses ist zudem für Herrn Kiyonaga der Kunstunterricht von Frau Nafe in Interesse. Hier geht es auf unterschiedliche Weise darum, sich Bildern im Alltag und in der Kunst auf vielfältige Weise anzunähern: Über Standbilder zu Kunstwerken spüren die Schülerinnen und Schüler z.B. ganz direkt, wie sich eine Körperhaltung oder ein Gesichtsausdruck anfühlt. Anhand von zeichnerischen Erkundungen stellen die Schülerinnern und Schüler der Klasse 6b fest, wie bedeutungsoffen Kunstwerke des zeitgenössischen Künstlers Tony Cragg sein können. Und mit der Frage: Welche Farbe hat Schnee? Führt das Gespräch zu den Wahrnehmungsmöglichkeiten von Farbe.

All diese Überlegungen fußen letztlich auf der Idee, Bildkompetenz (nach Kunibert Bering und Rolf Niehoff), einem Konzept, für das sich Herr Kiyonaga im Rahmen seiner Forschungen besonders interessiert. Schließlich ist das Betrachten und Einordnen können von Bildern in einer bildgeprägten Gesellschaft grundlegend. Denn nicht nur Kunstwerke vermitteln eine Aussage, so der Tenor des gemeinsamen Gesprächs, auch die Werbung, Instagram und die Nachrichten kommunizieren in erster Linie über …? – Bilder!

Mit vielen neuen Eindrücken auf beiden Seiten und bereichernden Gesprächen verabschieden wir Herrn Kiyonaga schließlich wieder – vielleicht bis zu einem weiteren Besuch im nächsten Jahr „Mata oaishimashō. Sayōnara!“ (Auf Wiedersehen und gute Heimfahrt!)

(Nadja Nafe)