„Werdet meine Zweitzeugen“ – Eine Zeitzeugin zu Besuch bei den 9ern

Am Freitag, den 14. Juni erlebten der Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe eine „etwas andere“ Geschichtsstunde.
Frau Eva Weyl, geboren 1935 in Arnheim als Kind einer jüdischen Familie, war zu Besuch in unserer Schule. Sie überlebte als Kind den Aufenthalt im Konzentrationslager Westerbork im niederländischen Drente und berichtet nun von der Geschichte ihrer Familie und ihren Erlebnissen.

Die nationalsozialistische Besatzungsmacht missbrauchte nach dem Überfall auf die Niederlande (10. Mai 1940) das Lager Westerbork als Sammel- und Durchgangslager. Etwa 107.000 jüdische Niederländer/innen (so z.B. die Familie von Anne Frank) wurden in dieses Lager gebracht und von dort ab 1942 in die Vernichtungslager transportiert und ermordet. Auch im Lager Westerbork starben 751 Menschen. Frau Weyl, die heute in Amsterdam wohnt, überlebte mit viel Glück als eine von nur etwa 5.000 Menschen, die im Lager Westerbork eingesperrt worden waren.
Heute besucht sie Schulen, um ihre Zuhörer zu „Zweitzeugen“ zu machen und mahnt davor, dass sich die damalige Zeit nicht wiederholen darf. Gleichzeitig ist es ihr wichtig zu betonen, dass ihre Zuhörer keine Schuld an den Taten der Nationalsozialisten haben.
Unseren Schülern wurde dies vor allem durch ihre Begleitung deutlich gemacht. Unter den Zuhörern befand sich nicht nur Autor und Journalist Ad van Liempt, welcher vor kurzem eine Biografie über den ehemaligen Kommandaten des Lagers Westerbork Albert Konrad Gemmeker veröffentlichte, sondern auch Anke Winter, die Enkelin von Gemmeker. Frau Winter begann erst vor kurzem gemeinsam mit Eva Weyl vor Schulklassen zu sprechen. Sie berichtete den Schülerinnen und Schülern davon, dass sie in ihrer Kindheit nichts von dem nationalsozialistischen Hintergrund ihres Großvaters gewusst hat und ihr dieser erst mit 15 Jahren deutlich wurde, als sie eine kurze Aufnahme ihres Großvaters im Film „Holocaust“ sah.
Unsere 9ten Klassen hörten beiden Frauen wie gebannt zu und nutzen die Gelegenheit ihnen Fragen zu stellen. Frau Weyl zeigte sich deutlich beeindruckt von den differenzierten Fragen der Schülerinnen und Schüler, welche von Nachfragen nach besonderen Erlebnissen über Einstellungen zu Politik und Religion reichten.
(Romina Müssig)