Workshop im alten Landratsamt Moers

Weisst du eigentlich ,wie Moers damals unter der Macht der Nationalsozialisten aussah? Nein?! Wir auch nicht! Aus diesem Grund haben wir, die Klasse 10a gemeinsam mit unserer Geschichtslehrerin Frau Vossebürger am vergangenen Dienstag, den 27.01.2026 das alte Landratsamt in der Innenstadt besucht. 
Ziel des Workshops war es, sich intensiver mit der Geschichte der Stadt während des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und zu verstehen, wie sich diese Zeit auf das Leben der Menschen ausgewirkt hat.
Von Anfang an wurden wir in drei Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe beschäftigte sich parallel mit einem anderen Programmpunkt: Eine Gruppe nahm an der Stadtrallye teil, eine weitere arbeitete zum Thema Widerstandskämpfer und die dritte spielte das Escape Game. Im Laufe des Workshops wechselten die Gruppen, sodass jede Gruppe alle drei Aufgaben bearbeiten konnte.


Während der Stadtrallye liefen wir unter anderem zu verschiedenen Stolpersteinen in der Innenstadt. Dort füllten wir Arbeitsblätter mit Informationen zu den jeweiligen Personen aus. Durch die konkreten Lebensgeschichten wurde deutlich, dass hinter jedem Namen ein echtes menschliches Schicksal stand. Egal ob die Geschichte des Tierarztes Julius Coppel, dessen Stolperstein in der Neustraße liegt und Haus zum Judenhaus erklärt wurde,welches Juden vor ihrer Deportierung beherbergte oder Theodora Leiß, deren Stolperstein in der Augustastraße zu finden ist. Ganz am Schluss verglichen wir gemeinsam die Ergebnisse zu den Personen der Stolpersteine und tauschten unsere Informationen aus, wodurch wir einen umfassenderen Überblick über die Verfolgung in Moers bekamen.
Im Escape Game wurden wir vor die schwierige Entscheidung gestellt, ob wir den Alliierten wichtige Informationen weitergeben sollten. Dies hätte möglicherweise zur Beendung des Krieges beigetragen, hätte aber gleichzeitig das Leben der Einwohner von Moers gefährdet. Alternativ hätten wir uns gegen die Weitergabe entscheiden können, was jedoch eine Verlängerung des Krieges bedeutet hätte. Diese Situation machte deutlich, wie schwer solche Entscheidungen in der Realität gewesen sein müssen. 


Ein weiterer Teil des Workshops beschäftigte sich mit dem Widerstand der Moerser
Einwohner. Dabei sprachen wir über verschiedene Formen von Widerstand, zum Beispiel über öffentlichen und privaten Handlungsrahmen sowie über partielle und generelle Kritik am nationalsozialistischen System. In Kleingruppen setzten wir uns anschließend mit einzelnen Widerstandskämpfern auseinander.
Unsere Gruppe beschäftigte sich mit Wilhelm Müller. Er wurde 1912 als fünftes Kind in Meerbeck geboren und war der Sohn eines Bergarbeiters. Bereits durch seine Eltern war er kommunistisch geprägt und trat später der Kommunistischen Partei bei. Außerdem engagierte er sich in der sozialistischen Arbeiterjugend und im kommunistischen Jugendverband und leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach der Machtergreifung wurde er verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
Wahrend seiner Haft kam Wilhelm Müller mit Schriften des Buddhismus in Kontakt. Nach
seiner Entlassung prägte dieser Glaube sein weiteres Leben stark. Er gründete die  buddhistische Gemeinschaft  ,,Wat Phra Dhammakaya“ in Moers, die bis heute besteht, und beeinflusste bis zu seinem Tod im Jahr 1990 nachhaltig das Leben vieler Menschen in der Stadt. 

Als Klassengemeinschaft können wir viele positive Aspekte rückmelden und auch ein paar Verbesserungsvorschläge machen. Besonders gut gefallen hat vielen, dass es sich nun auch mal um die Geschichte der NSDAP in Moers -unserer Heimat- handelte  und nicht wie im Unterricht um die bekanntesten Geschehnisse im gesamten deutschen Reich. Denn auch die kleineren Widerständler wie Paul Beilecke und Willi Müller trugen erheblich zum Infragestellen des Regimes bei. Ihre Geschichten gingen uns im Workshop mit der Stadtarchivarin Frau Saam besonders nahe und waren greifbar durch Originalfotos, Meldekarten und Flugblätter von damals.

Ebenfalls passend war auch das Datum unseres Ausflugs, welcher genau auf den 81. Gedenktag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945 fiel. 

Nur an der Konzeption der einzelnen Aktionen des Ausflugs könnte noch gefeilt werden, so hatten wir zum Beispiel die Idee, einen Wettbewerb im „Stolpersteine suchen“ zu machen oder den Vorschlag, dass der Spielleiter während des Escape-Games einen Hausmeister spielen könnte.

Da wir vorerst jedoch nur den Testlauf für die kommenden Jahrgänge absolvieren durften, hoffen wir, dass dieses Angebot auch künftig von den Geschichtlehrer*innen in Anspruch genommen wird und ebenso viel Spaß mit sich bringt und den Wissensdurst, von einigen Begeisterten der Geschichte stillt.Ein solcher Ausflug lässt uns nicht vergessen was war und was niemals mehr sein sollte. Er sensibilisiert, verschafft mehr Durchblick und erweitert unsere Sicht auf die Welt, speziell in unserer kleinen Stadt Moers. 

Paula Klär und Katharina Schmitz, 10a